Getränkeautomaten und Hacker

Im Chaos Computer Club Berlin haben wir einen Getränkeautomaten, eines großen amerikanischen Limonadenherstellers, zu stehen, in dem wir auch Mate und andere Getränke verkaufen. Der Automat muss regelmäßig mit neuen Getränken befüllt werden und auch etwaige Wechselgeldwünsche müssen mehrmals am Tag gestillt werden. Als ich eben dieses, am gestrigen Abend, tun wollte blieb der Schlüssel, beim öffnen des Automaten im Schloss, stecken und lies sich auch nicht ohne weiteres wieder befreien. Am Schlüssel selbst hatte sich eine Schraube gelöst, die die Pins des Schlüssels an selbigem befestigt. Dadurch änderte sich die Länge der Pins relativ zum Schloss, sodass der Schlüssel nicht wieder zurückzudrehen war und stecken blieb. Eine ziemlich blöde Situation, denn zum einen war es unmöglich den Automaten wieder zu verschließen und zum anderen war es Samstag Abend. Eine Wartung wäre also erst zwei Tage später möglich gewesen. Der Service wurde trotzdem informiert, via Anrufbeantworter. Aber wie anfangs erwähnt befanden wir uns im Chaos Computer Club und Hacker wären nicht Hacker wenn sie nicht versuchen würden das Problem selbst zu lösen. Hierfür wurde zunächst das Schloss aus dem Automaten geschraubt, um dann zu versuchen den Schlüssel vom Zylinder zu lösen. Doch der Schlüssel schien wirklich fest zu stecken. Ein weiterer Hacker fummelte dann aber doch so lange damit herum, bis er Schlüssel und Zylinder trennen konnte. Das Problem war schnell erledigt – doch wäre das alles gewesen hätte mich das sicher nicht motiviert darüber zu bloggen. Der besagte Hacker fummelte nämlich noch so lange weiter mit dem Schlüssel herum, bis er aus Versehen, die Scheibe vom Schlüssel löste, welche die Pins am Schlüssel festhielt. Die Pins purzelten heraus und der Schlüssel war komplett unbrauchbar. Es waren sieben unterschiedlich lange Pins also gab es 5040 mögliche Kombinationen. Eindeutig zu viel!

Nun wurde der Zylinder genauer analysiert aber es wurde schnell klar, dass der Zylinder auseinander gebaut werden müsste, um Schloss und Schlüssel neu zu kombinieren. Gesagt getan. Die Fotos zeigen alle Teile von Schloss und Schlüssel, feinsäuberlich aufgereiht. Im Schloss befanden sich in jeder der sieben Pinkammern eine Feder und zwei weitere Metallstifte. Mit der Schiebelehre wurden alle Teile vermessen und sortiert um logische Paare zu bilden. Es stellte sich heraus, dass es zwischen den Pins jeweils 0,4 mm Abstand gab. Die Kombinationen waren schnell gefunden und nun konnten Schloss und Schlüssel wieder bestückt werden.

Der erste Versuch das Schloss zu schließen schlug fehl, jedoch nur weil zwei Pins miteinander vertauscht wurden. Auch dieses Problem war schnell gelöst und natürlich funktionierte alles wie gedacht. Neben der neuen Kodierung von Schloss und Schlüssel, haben wir das Schloss auch noch gereinigt und geölt. Abschließend wurde das Schloss wieder in den Automaten geschraubt und der Service mit einer weiteren Nachricht auf dem Anrufbeantworter beglückt. »Guten Tag, der Chaos Computer Club Berlin in der Marienstraße. Ich wollte nur nochmal bescheid sagen das wir das Problem selbstständig gelöst haben. Vielen Dank und auf wiederhören!«

Die ganze Aktion war wieder mal eine gelungene Demonstration des Hacker-Wesens.

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