Manche Dinge sollten analog bleiben!

Ich bin Kind des digitalen Zeitalters. Schon früh habe ich einen Computer bekommen und mich seit dem immer mehr mit selbigem beschäftigt. Chat, Email, Websites und andere Formen der digitalen Kommunikation, Selbstdarstellung oder der eigenen Stellungnahme begrüße ich. Mittlerweile sind digitale Kameras, digitales Fernsehen und Navigationssysteme nichts besonderes mehr. Alles wird digital, scheint es. Trotz der vielen Vorteile gibt es immer wieder Gelegenheiten die mich denken lassen, dass nicht alles eine IP braucht, nicht alles digital sein muss oder sollte.

Bei dem Übergang einer Technologie, von analog nach digital, werden meist und oft auch nicht zu unrecht, die Vorteile hoch gelobt, dass die analoge Technik auch Vorteile hatte wird im Eifer aber schnell vergessen. In der Fotografie zum Beispiel ist es genau so. Ich war kürzlich bei meiner Oma und habe mir Familienfotos zeigen lassen, die bis in die Zeit des ersten Weltkrieges zurückreichten. In diesem Moment wurden die analogen Vorteile schlagartig klar. Wir alle wissen wie unzuverlässig gebrannte CDs, DVDs oder gar Festplatten sind. Jeder, der im digitalen Zeitalter angekommen ist, hatte schon mindestens einen größeren oder zumindest schmerzhaften Datenverlust. Fotos vom Urlaub oder wie bei einer Freundin von mir passiert – Bilder die kurz nach der Geburt ihres Kindes entstanden … einfach weg. Passend zu dieser Problematik fand ich kürzlich auch diesen Artikel auf Telepolis.

Aber es gibt auch andere Bereiche. PKWs zum Beispiel. Wie oft war schon von Elektronikproblemen in Fahrzeugen zu hören. Oder Bordcomputer, die den Fahrer mit zulässigen Höchstgeschwindigkeiten nerven bis hin zur neuen E-Klasse die nicht fährt weil die Bordelektronik mein es ginge nicht. Das Hauptproblem bei der digitalen Technologie ist die fehlende Nachvollziehbarkeit. Um die E-Klasse wieder in Bewegung zu versetzen muss ein Laptop angeschlossen werden, zu analogen Zeiten hat man Autos mit Damenstrümpfen wieder flott gemacht, vereinfacht gesprochen. Wer versteht noch sein Auto? Braucht mein Kühlschrank wirklich Internet? Oder meine Waschmaschine?

Das führt mich zu einem weiteren Bereich, den ich als wirklich sensibel betrachte. Schon vor Jahren, als zum ersten Mal das Thema Wahlcomputer aufkam, dachte ich mir: Ich will das nicht, einfach aus dem Grund der Mangelnden Nachvollziehbarkeit. Ich weiss nicht was passiert wenn ich auf den Knopf drücke, ich weiss nicht wer mitschneidet was ich gerade gewählt habe und ich weiss nicht wie leicht das System zu manipulieren ist. Ich will nicht behaupten das ich von allem was ich benutze hundertprozentig weiss wie es funktioniert, doch gerade bei Wahlen will ich es.

Es gab schon einige Ungereimtheiten mit diesen Wahlcomputern, mehrfach in den USA und auch zuletzt in Mexiko. In Holland wird auch großflächig digital gewählt was dem Chaos Computer Club nahestehende Menschen zum Anlass nahmen die »Sicherheit« dieser Computer zu überprüfen. Die Ergebnisse der Untersuchung der Wahlcomputer sind vernichtend und verstoßen gegen die Prinzipien demokratischer Wahlen. Die Geräte waren mit geringem Aufwand zu manipulieren und zwar in einer Weise in der die Manipulation nicht zu überprüfen war. Zudem war es möglich über elektromagnetische Strahlung »abzuhören« was gewählt wurde. Das Schlimmste vom Schlimmen. In Deutschland kamen ähnliche Geräte zum Einsatz und es stehen weitere, großflächigere noch bevor.

Mich gruselt es ein wenig bei dem Gedanken und mir fällt es schwer nachzuvollziehen warum eine komplexe, schwer zu prüfende Technologie der einfachsten vorgezogen wird. Wer sich jetzt denkt das Papierwahlen zu viel Arbeit und Geld kosten und ebenfalls unsicher seien, dem möchte ich das letzte Chaosradio ans Herz legen. Ziemlich am Anfang kommen Wahlhelfer zu Wort. Die ersten Beiden halfen bei Papierwahlen mit. Sie konnten den Wahlvorgang sowie die Auszählung genau erklären und waren darüber hinaus in der Lage sämtliche Manipulationstheorien mit ihren Praxiserfahrungen zu widerlegen. Der dritte Anrufer war Wahlhelfer in einem Wahllokal mit Wahlcomputern und er konnte weder bestätigen das dass Ergebnis richtig war, noch konnte er ausschließen das dass Gerät manipuliert war.

Weiterhin möchte ich das englische Paper zum »Wahlmaschinenhack« empfehlen. Es stellen sich einem die Nackenhaare auf wenn man liest wie die Hersteller der Wahlcomputer es versäumt haben für Manipulationssicherheit zu sorgen.

Sicher, in Deutschland ist man bei so etwas immer etwas paranoider als anderswo aber ich finde Misstrauen in solchen Fragen wichtig. Ich finde es wichtig das es ein Bewusstsein in der Bevölkerung dafür gibt was möglich wäre und Dinge zu hinterfragen damit die Welt doch nicht wie in dem Buch von George Orwell, 1984, endet.

Das die Papierwahl uns genau vor so etwas schützen kann bewiesen die ostdeutschen Bürger die 1989, die Courage hatten die offensichtlich gefälschten Wahlergebnisse zu überprüfen. Hier nachzulesen: Protest gegen Wahlbetrug.

Abschließend noch die Pressemeldung des CCC. Ich hoffe ihr macht euch auch mal darüber Gedanken ob ihr euch wohl dabei fühlt digital zu wählen.

In diesem Sinne 101010!

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2 Responses to Manche Dinge sollten analog bleiben!

  1. Schöne Kritik. Ich hoffe du findest noch ein paar Leser!
    Ich fahr mir jetzt mal das Chaosradio rein. Ich hab auch schon hin und wieder was darüber gelesen, mir ist das Ausmaß aber noch nicht bekannt.

    Danke fürs Interesse wecken!
    Gruß, Chris

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